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Das West-Nil-Virus ist nun in Berlin etabliert: was die deutschen Zahlen für 2025 für das Schlafzimmer bedeuten, und warum das nicht die Tigermücken-Geschichte ist

Mosticare Editorial31. Juli 202611 Min. LesezeitEU

Das West-Nil-Virus ist in Berlin endemisch. Ein Forschungsteam der Charité hat gezeigt, dass das Virus in den Culex-Mücken der Stadt überwintert und lokal zirkuliert. Deutschland verzeichnete 2025 insgesamt 14 humane West-Nil-Fälle. Es handelt sich um ein Risiko durch nachtaktive Culex-Mücken, das mit einem Moskitonetz über dem Bett und einem Insektenschutzgitter am Fenster beantwortet wird. Dies ist ein eigenständiges Problem gegenüber den Schlagzeilen über tagaktive Tigermücken aus Bonn, Köln und dem weiteren Rheinland.

Von Mosticare Editorial, 31. Juli 2026

Das West-Nil-Virus ist nun in Berlin endemisch. Das ist der nüchterne Befund: das Virus überwintert in der Stadt und zirkuliert in jedem Sommer lokal in den ansässigen Culex-Mücken, sodass sich eine Person in Berlin infizieren kann, ohne Deutschland zu verlassen [Charité 2026]. Deutschland verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 14 humane West-Nil-Fälle, und die Antwort auf den Schutz im Haushalt ist eine nächtliche: ein Netz über dem Bett und ein Insektenschutzgitter am Fenster [RKI 2026].

Dieser Beitrag tut zwei Dinge. Er berichtet, was die deutschen Zahlen tatsächlich sagen, Quelle für Quelle, ohne die Teile wegzurunden, die die Schlagzeile verkomplizieren. Und er trennt zwei Mückengeschichten voneinander, die die Juli-Presse ständig vermischt: die tagaktive Tigermücke, die sich im Rheinland ausbreitet, und die nachtaktive Culex, die das West-Nil-Virus im Osten trägt. Es sind verschiedene Insekten, mit verschiedenen Zeitplänen, und sie verlangen verschiedenen Schutz.

Die Kernaussage: etabliert, nicht nur zu Besuch

Jahrelang lautete die Arbeitsannahme, dass das West-Nil-Virus jeden Sommer mit ziehenden Vögeln nach Deutschland kam und jeden Winter wieder verschwand. Ein Forschungsteam der Charité hat nun gezeigt, dass dies für Berlin nicht mehr stimmt. Das Virus ist etabliert: es bleibt zwischen den Saisons lokal bestehen und tritt aus der eigenen Mückenpopulation der Stadt wieder hervor, statt erneut eingeschleppt zu werden [Charité 2026]. Die peer-reviewte Grundlage findet sich in Eurosurveillance, das über 2021 bis 2022 ökologische und klinische Belege für die Etablierung im Berliner Stadtgebiet dokumentiert hat [Eurosurveillance 2023].

Die Feldforschung ist konkret. Das Team der Charité fing rund 24.000 Mücken und testete, wie viele das Virus trugen. In Berlin-Schöneberg trugen zwischen 0,6 und 6 Prozent der im Sommer 2023 gefangenen Mücken das West-Nil-Virus, in 2024 waren es zwischen 0,2 und 2 Prozent [Charité 2026]. Das sind kleine Prozente, aber eine geringe Infektionsrate bei einer häufigen Stadtmücke, die über Saisons hinweg anhält, ist die Definition endemischer Zirkulation und nicht ein einmaliges Überspringen.

Das Virus tauchte nicht aus dem Nichts auf. Das West-Nil-Virus wurde 2018 erstmals in deutschen Vögeln und Pferden nachgewiesen, und die erste in Deutschland erworbene humane Infektion wurde 2019 gemeldet [RKI 2026]. Die frühen Jahre waren auf Zentral- und Ostdeutschland begrenzt. Ein peer-reviewtes Update für 2022 bis 2024, mit Datenstand 1. Juli 2025, beschreibt eine langsame jährliche Ausbreitung, die sich 2024 verstärkte und zahlreiche Infektionen im Nordwesten des Landes erzeugte, zumeist bei Tieren [Karger 2025]. Die Etablierung in Berlin ist die zum Menschen gewandte Kante dieses längeren Trends.

Was die deutschen Zahlen genau sagen

Zahlen zum West-Nil-Virus lassen sich leicht falsch zitieren, weil es mehrere verschiedene Zählungen gibt, die Unterschiedliches messen. Hier ist die saubere Fassung.

  • Humane Fälle landesweit, alle Quellen gezählt: 14 im Jahr 2025, 49 im Jahr 2024 und 16 im Jahr 2023 [RKI 2026]. Diese Summen schließen Personen ein, die sich im Ausland infiziert und nach Rückkehr nach Deutschland diagnostiziert wurden, daher ist die Zahl nicht dasselbe wie das lokale Risiko.
  • Lokal erworbene (autochthone) Fälle: ungefähr 4 der Gesamtzahl 2025 waren Übertragungen, die innerhalb Deutschlands stattfanden, nach Angaben des RKI [RKI 2026]. Deutschland meldete 2 lokal erworbene Fälle in das EU-Überwachungssystem für 2025 [ECDC 2025]. Die Lücke zwischen 4 und 2 ist ein Unterschied im Stichtag der Berichterstattung, kein Widerspruch.
  • Berlin im Besonderen: 5 West-Nil-Fälle wurden in der Hauptstadt im Jahr 2025 gemeldet, 7 im Jahr 2024 und 1 im Jahr 2023 [RKI 2026].
  • Todesfälle: das RKI kennt einen Todesfall landesweit im Zusammenhang mit einer in Deutschland erworbenen Infektion, eine Person aus Sachsen, die 2020 verstarb [RKI 2026].

Wenn eine Schlagzeile also sagt, "14 West-Nil-Fälle in Deutschland 2025", dann lautet die ehrliche Lesart: 14 diagnostizierte humane Infektionen landesweit, die meisten davon reiseassoziiert, einige davon lokal erworben, und 5 der 14 in Berlin [RKI 2026]. Der Etablierungsbefund stützt sich nicht darauf, dass die Fallzahl groß ist. Er stützt sich darauf, dass das Virus jedes Jahr in den lokalen Mücken vorhanden ist.

Die gezählten Fälle sind zudem nur die sichtbare Schicht. Die meisten West-Nil-Infektionen verursachen überhaupt keine Symptome, sie werden also nie getestet oder gemeldet. Die RKI-eigene Aufschlüsselung lautet, dass etwa 20 Prozent der Infizierten eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung entwickeln und nur etwa 1 von 100 schwer mit neuroinvasiver Erkrankung erkrankt [RKI 2026]. Auf dieser Grundlage hat der Charité-Virologe Victor Corman geschätzt, dass die tatsächliche Zahl der Menschen, die in Berlin West-Nil-Fieber hatten, mindestens hundertmal höher sein könnte als die gemeldete Zahl [Charité 2026]. Eine niedrige offizielle Zahl bei einer Krankheit, die meist stumm verläuft, ist ein Messartefakt und keine Beruhigung.

Zur Einordnung: das europäische Bild 2025 war deutlich größer. Bis Anfang Dezember meldeten 14 europäische Länder 1.112 lokal erworbene humane West-Nil-Fälle an die ECDC-Überwachung [ECDC 2025]. Deutschland liegt am kühlen nördlichen Rand dieser Karte, und genau deshalb ist die lokale Etablierung in einer nördlichen Hauptstadt die bemerkenswerte Entwicklung.

Warum dies nicht die Tigermücken-Geschichte ist

Der Juli 2026 hat zwei überlappende deutsche Mückenerzählungen hervorgebracht, und sie zu verschmelzen führt Haushalte zum falschen Schutz. Sie sind getrennt.

Nein. Das West-Nil-Virus wird in Deutschland von Culex pipiens getragen, der gewöhnlichen Hausmücke, und nicht von Aedes albopictus, der asiatischen Tigermücke [ECDC 2026]. Dies sind verschiedene Arten mit unterschiedlichem Verhalten:

  1. Verschiedener Vektor. Das West-Nil-Virus ist ein Culex-Problem. Die Tigermücke ist der besorgniserregende Vektor für Dengue, Chikungunya und Zika, also einen anderen Krankheitssatz [WHO 2026].
  2. Verschiedene Geografie. Die Tigermücke breitet sich im Süden und Westen Deutschlands aus, einschließlich des Oberrheins, des Rhein-Main-Gebiets und Nordrhein-Westfalens rund um Köln und Bonn. Die etablierte West-Nil-Zirkulation konzentriert sich auf Berlin und den Osten [RKI 2026].
  3. Verschiedene Uhr. Die Tigermücke sticht tagsüber, im Freien, um die Knöchel auf einer Terrasse oder im Garten. Culex pipiens ist ein Stecher von Abenddämmerung bis Morgendämmerung, der ohne Weiteres durch offene Sommerfenster in Schlafzimmer eindringt [ECDC 2026]. Dies ist die praktisch wichtigste Unterscheidung, denn sie entscheidet, wo und wann Sie Schutz brauchen.

Die Folge ist einfach. Tagaktive Tigermückenexposition ist eine Terrassen- und Gartenfrage. Nächtliche West-Nil-Exposition ist eine Schlafzimmerfrage. Ein Haushalt in Berlin steht meistens vor der zweiten Frage.

Der Vektor hinter West-Nil: Culex pipiens und das Nachtfenster

Die Art, die die Arbeit tut, ist Culex pipiens, klein, braun und unauffällig, samt ihrer urbanen Geschwisterform, die in Kellern und stehendem Wasser in Gebäuden brütet. Drei ihrer Gewohnheiten setzen die Schutzlogik:

  • Sie sticht nachts. Die Stechaktivität erreicht in den Stunden nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang ihren Höhepunkt. Ein offenes, ungeschütztes Schlafzimmerfenster in einer warmen Augustnacht in Berlin ist die Exposition, die zählt [ECDC 2026].
  • Sie brütet in größeren stehenden Gewässern. Nicht in den Pfützen, die die Tigermücke nutzt, sondern in verstopften Dachrinnen, Regentonnen, vernachlässigten Teichen, überfluteten Kellern und jedem organisch reichhaltigen stehenden Gewässer. Die Reduktion der Brutstätten wirkt, zielt aber auf anderes Wasser [RKI 2026].
  • Sie kommt ins Haus. Anders als die Tigermücke dringt Culex pipiens ohne Weiteres in Wohnungen ein, um zu stechen. Das Stechen in Innenräumen ist die Regel bei der für West-Nil relevanten Übertragung, weshalb die letzte Barriere die am Bett ist [ECDC 2026].

Es gibt keinen West-Nil-Impfstoff für die allgemeine Bevölkerung in Europa; equine Impfstoffe existieren und sind ein eigenständiges veterinärmedizinisches Programm [ECDC 2026]. Für Menschen liegt die Schutzschicht im Zuhause, nicht in der Klinik.

Die Antwort auf den Schutz: physisch, am Fenster und am Bett

Da der Vektor nachtaktiv ist und in Schlafzimmer eindringt, ist der verlässliche Schutz strukturell. Die eigene öffentliche Beratung des RKI führt Moskitonetze und Fenstergitter neben bedeckender Kleidung und Repellents als Maßnahmen auf, die Stiche reduzieren, und benennt besonders Menschen mit höherem Risiko für schweren Verlauf als diejenigen, die sich schützen sollten [RKI 2026].

Ein praktisches, chemiefreies Protokoll für einen Berliner Haushalt durch die West-Nil-Saison:

  1. Sieben Sie die Fenster ab, durch die Sie schlafen. Ein passgenaues Insektenschutzgitter erlaubt es Ihnen, in einer heißen Nacht zu lüften, ohne den Raum für Culex zu öffnen. Dies ist der wertvollste Einzelschritt, weil er genau jenes Verhalten adressiert, das Stechen in Innenräumen bei Nacht, das das Risiko treibt.
  2. Hängen Sie ein unbehandeltes Netz über das Bett. Eine feinmaschige physische Barriere über dem Schlafbereich hindert die Mücke während des Stechfensters von Abenddämmerung bis Morgendämmerung daran, die Haut zu erreichen, ohne Insektizide. Ein unbehandeltes Netz ist kein Biozidprodukt und erhebt keinen chemischen Anspruch gemäß der EU-Biozidprodukte-Verordnung [EU 2012]; es wirkt allein durch mechanischen Ausschluss.
  3. Reduzieren Sie stehendes Wasser rund um das Gebäude. Räumen Sie verstopfte Dachrinnen frei, entleeren oder sieben Sie Regentonnen ab, und entwässern Sie vernachlässigte Behälter und Untersetzer. Dies verkleinert die lokale Culex-Population, die Bettnetz und Gitter dann von Ihnen fernhalten.
  4. Fügen Sie Repellents als Ergänzung hinzu, nicht als Ersatz. Wo Haut im Freien in der Abenddämmerung exponiert ist, ist ein zugelassenes Repellent eine sinnvolle Ergänzung, aber es ist eine Ergänzung zur physischen Barriere, kein Ersatz für sie.

Die Logik ist bewusst eng. Das West-Nil-Virus stellt genau eine Haushaltsfrage: kann eine Culex-Mücke eine schlafende Person zwischen Abenddämmerung und Morgendämmerung erreichen, und die Antwort lautet: ein Netz, ein Gitter und entwässertes Wasser, nicht ein Apothekenregal.

Was im weiteren Verlauf des Jahres 2026 zu beobachten ist

Etablierung bedeutet, dass die Grundlinie sich verschoben hat, nicht, dass ein großer Ausbruch bevorsteht. Was das deutsche Bild tatsächlich bewegen wird, sind die autochthonen Fallmeldungen des RKI im Spätsommer und Frühherbst, speziell die Berliner Stadtzahlen, und ob die 2024 bei Tieren beobachtete Nord- und Westausbreitung in mehr menschlichen Fällen außerhalb des Ostens resultiert [RKI 2026] [Karger 2025]. Die West-Nil-Übertragung in Europa läuft typischerweise bis in den Oktober hinein, daher ist die Saison kein Juli-Ereignis [ECDC 2026].

Für einen Haushalt ändert das nichts am Handeln. Das Virus ist jetzt in den Berliner Mücken vorhanden, die Exposition erfolgt nachts in Innenräumen, und der Schutz ist die Barriere am Fenster und am Bett.

Zuletzt aktualisiert am 31. Juli 2026.

Quellen & Zitate
  1. Charité Universitätsmedizin Berlin. Forschungszusammenfassung: Das West-Nil-Virus ist in Berlin heimisch geworden. Arbeitsgruppen Junglen und Corman; Grundlage für die Befunde zur endemischen Etablierung und zu den Infektionsraten bei Mücken.
  2. Eurosurveillance (peer-reviewed). Ökologische und klinische Belege für die Etablierung des West-Nil-Virus in einem großen urbanen Gebiet, Berlin, Deutschland, 2021 bis 2022. Primärquelle für die Etablierung in Berlin.
  3. Transfusion Medicine and Hemotherapy (Karger, peer-reviewed). West-Nil-Virus-Infektionen in Deutschland, Update 2022 bis 2024, Datenstand 1. Juli 2025. Quelle für den zentral-östlichen Ursprung und die nordwestliche Ausbreitung im Jahr 2024.
  4. Robert Koch-Institut (RKI). Nationale Übersichtsseite zum West-Nil-Fieber: jährliche autochthone Fallzahlen (4 im Jahr 2025; 1 im Jahr 2026, Stand 29. Juli 2026), Aufteilung autochthon versus reiseassoziiert, klinische Anteile (etwa 20 % fieberhaft, etwa 1 % neuroinvasiv), Expositionsprophylaxe und Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG §6/§7).
  5. Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Seite zur West-Nil-Virus-Infektion und wöchentliche humane Fallüberwachung für die EU/EWR und angrenzende Länder.
  6. ECDC-Faktenblatt zum West-Nil-Virus für die allgemeine Öffentlichkeit: Vektor, Übertragungszyklus, klinisches Spektrum, Fehlen eines humanen Impfstoffs.
  7. Weltgesundheitsorganisation (WHO). Faktenblatt zum West-Nil-Virus, fortlaufend aktualisiert: Vogel-Mücke-Vogel-Zyklus, Fehlwirte, persönlicher Schutz.
  8. Europäische Kommission. Verordnung (EU) Nr. 528/2012 (Biozidprodukte-Verordnung). Erläutert, warum ein unbehandeltes physisches Netz kein Biozidprodukt ist und keinen Insektizidanspruch erhebt.

Korrekturrichtlinie: Sollte sich eine der obigen Angaben als falsch erweisen, korrigieren wir sie an Ort und Stelle mit einem datierten Korrekturhinweis. Kontakt corrections@mosticare.org.

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